Dubrovnik, der Geburtsort der Quarantäne

Sollte es jemals ein Wort für ein großes Comeback geben, dann würde „Quarantäne“ ganz oben auf der Liste stehen. In einer Stadt im Süden Kroatiens gibt es die Quarantäne bereits seit dem 14. Jahrhundert.

Im Mittelalter war die Pest eine häufige Erscheinung. Die Epidemie des Schwarzen Todes, die ihren Höhepunkt in Europa zwischen 1347 und 1351 erreichte, eliminierte mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Ohne bekannte Ursache und Kur wurden diese verheerende Krankheit und ihre Folgen größtenteils dem Zorn Gottes zugeschrieben.

Damals wurde beobachtet, dass Krankheiten wie Lepra und Pest durch engen Kontakt zwischen Gesunden und Erkrankten oder durch das Berühren infizierter persönlicher Gegenstände, Kleidung oder Möbel übertragen werden. Diejenigen mit Symptomen wurden von denen ohne Symptome getrennt. Die Menschen in Isolation lebten wie wir im vergangenen Jahr: eingesperrt und sozial distanziert in ihren Häusern.

Im Süden der Adriaküste war Dubrovnik, die damals als Stadt Ragusa bekannt war, anfällig für solche Ausbrüche. Die Pest hat im 12. Jahrhundert ein Viertel der Bevölkerung getötet; 150 Jahre später überlebte nur ein Viertel der Einwohner. Als Hafen- und Handelsstadt war es für Dubrovnik äußerst wichtig, die Risiken des Handelsverkehrs zu reduzieren. Es war die Haupttätigkeit der Wirtschaft der Stadt und das Leben musste weitergehen.

Im Jahr 1377 beschloss der Große Rat von Dubrovnik, um Ausbrüche zu vermeiden und seine Einwohner zu schützen, die Trentina – 30 Tage Isolation – für Schiffe, Besatzungen und Reisende aus Pestgebieten einzuführen. Schiffe mussten eine Patente – eine Bescheinigung aus dem Abfahrtshafen, welche über die Gesundheitsbedingungen in der Region informiert – vorlegen. Wer aus Orten kam, die länger als ein paar Wochen seuchenfrei waren, konnten in den Hafen einlaufen; alle anderen mussten auf den einsamen Inseln Mrkan und Bobara in der Nähe der kleinen Stadt Cavtat warten und dekontaminieren. Dubrovnik wurde so zur ersten Hafenstadt im Mittelmeer, die potenziell ansteckende Menschen und Waren von der gesunden Bevölkerung trennten.

Als Dubrovnik im 15. Jahrhundert die Suzeränität von den Osmanen beanspruchte und vorteilhafte Handelsbedingungen innerhalb des Reiches schuf, nahm der Handel mit dem Hinterland zu. Dies führte zur Notwendigkeit eines organisierten Quarantänegebiets nicht nur für diejenigen, die auf dem Seeweg, sondern auch auf dem Landweg kamen. Lazareti wurden 1642 an der Kreuzung von Festland- und Seehandelsrouten ins Leben gerufen – es entstand das Tor von Ploče, der östliche Eingang zur ummauerten Altstadt von Dubrovnik.

Die Lazareti sind ein beeindruckender Steinkomplex aus zehn rechteckigen, mit roten Ziegeln bedeckten Lagerhallen, die zu zweit gruppiert fünf offene Höfe umgeben. Es ist ein atemberaubender Anblick von See und Land. Anfangs sollten sich Reisende in kleinen Häusern auf dem Plateau vor dem Komplex in Quarantäne begeben, aber ihre Anzahl überstieg schnell die der verfügbaren Unterkünfte, weshalb in den Lagerhallen eine obere Galerie für zusätzliche Schlafmöglichkeit eingerichtet wurden. Die Quarantäne dauerte nun vierzig Tage und machte ihrem Namen alle Ehre – quaranta bedeutet vierzig auf Italienisch.

Mit so vielen verschiedenen Menschen im Komplex, wurden die Lazareti zum Mittelpunkt des Lebens der Stadt. Die Ware wurde dort gelüftet und gewaschen und mit Essig dekontaminiert. Briefe wurden mit kochendem Essig voller Münzen gedämpft. Ein Arzt wurde herbeigebracht, um den Gesundheitszustand der sich in Quarantäne befindenden Menschen zu überwachen. Beim ersten Auftreten von Symptomen wurden die Reisenden von den anderen getrennt und isoliert. Die Wachen waren da, um die Ordnung aufrecht zu halten, oder versuchten es zumindest; es gelang ihnen nicht immer, Streitigkeiten und Schlägereien zu verhindern. Sogar Essen und Wein wurden aus der Stadt für die sich in Quarantäne befindenden Reisenden geliefert – natürlich auf eigene Kosten.

Die Lazareti blieben bis ins 19. Jahrhundert ein öffentliches Gesundheitszentrum. Nachdem sie ihre ursprüngliche Funktion verloren wurden sie über ein Jahrhundert lang dem Verfall überlassen. Kürzlich restauriert, sind sie heutzutage des besterhaltene Quarantänegebäude in diesem Gebiet des Mittelmeers. Als „der kreative Teil von Dubrovnik“ bekannt, sind die Lazareti auch heute noch ein großartiger Ort, an dem Sie die Volkstanzaufführungen erleben und die Arbeit lokaler Kulturinitiativen bewundern können. Und Sie können sich einen Moment zeitnehmen und dankbar sein, dass die Quarantäne nicht mehr vierzig Tage dauert.

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